Piracetam (abgesetzt)

auch bezeichnet als:
2-(2-Oxopyrrolidin-1-yl)acetamid; 2-Oxopyrrolidin-1-acetamid; Piracetamum

 

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs: Piracetam

Piracetam wird zur Behandlung von leichten bis mittelschweren altersbedingten Hirnleistungsstörungen (Demenz) und zur Verminderung der Symptome bei anderen hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen eingesetzt.

Der Wirkstoff kann hier Gedächtnis-, Denk- und Konzentrationsstörungen sowie Antriebsstörungen, Motivationsmangel und vorzeitige Ermüdbarkeit lindern.

Nach Hirnschädigungen infolge mangelnder Sauerstoff- und Glukose-Zufuhr (hypoxischen Schädigungen des Gehirns) kann Piracetam auch die unwillkürlich auftretenden Muskelzuckungen (postanoxischen Myoklonus-Syndrome) verringern.

Nach einer Gehirnerschütterung vermindert der Wirkstoff die sogenannten postkommotionellen Syndrome, die sich als Kopfschmerzen, Schwindel und Gedächtnisstörungen äußern.

Daneben kann Piracetam die Behandlung bei chronischen Folgeschäden nach einem Schlaganfall durch Gefäßverschluss, auch ischämischer Hirninfarkt genannt, unterstützen. Ein ischämischer (wörtlich: durch Blutleere bedingter) Hirninfarkt ist eine plötzlich auftretende arterielle Durchblutungsstörung des Gehirns. Dabei wird das Gehirngewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, was zunächst Störungen der Gehirnfunktion in dem betroffenen Gebiet hervorruft. Dauert der Sauerstoff- und Nährstoffmangel längere Zeit an, beginnt das Hirngewebe abzusterben. Etwa 80 Prozent aller Schlaganfälle sind ischämische Schlaganfälle.

Bei Kindern und Jugendlichen mit Legasthenie wird Piracetam außerdem zur unterstützenden Behandlung von Lese- und Rechtschreibstörungen gegeben.

Ein weiteres Anwendungsgebiet von Piracetam ist die unterstützende Therapie bei Folgeschäden durch Akloholmissbrauch, einschließlich Alkohol-Delirium. Hier können insbesondere auch die psychischen Veränderungen bei Hirnleistungsstörungen wie Angst, Misstrauen, Aggressivität und Rückzug durch die regelmäßige Einnahme des Wirkstoffs vermindert werden.


Wirkungsweise von Piracetam

Piracetam gehört zur Wirkstoffgruppe der Antidementiva und gleichzeitig zu den durchblutungsfördernden Mitteln.

Der durchblutungsfördernde Effekt von Piracetam kommt durch Verbesserung der Fließfähigkeit des Blutes zustande. Der Wirkstoff begünstigt die Verformbarkeit der roten Blutkörperchen, hemmt die Verklumpung derselben sowie der Blutplättchen und macht so das Blut dünnflüssiger. Er fördert dadurch die Durchblutung des Gehirns.

Piracetam wird außerdem eine günstige Beeinflussung der Hirnfunktionen zugeschrieben. Es steigert die Aufmerksamkeit, verbessert das Gedächtnis und erhöht insgesamt die geistige Leistungsfähigkeit. Wie das alles geschieht, ist jedoch unklar. Verschiedene, zum Teil abenteuerliche Wirkungsmechanismen wurden von Forschern vorgeschlagen. Unter anderem wird davon ausgegangen, dass Piracetam die Produktion und die Wirksamkeit von Neurotransmittern (Nervenbotenstoffen) sowie den Stoffwechsel im Gehirn beeinflusst. So wird angenommen, dass der Wirkstoff die Aufnahme und Verwertung des Energielieferanten Glukose (Traubenzucker) steigert und als Stoffwechselförderer einen positiven Einfluss auf den Botenstoff Dopamin hat. Dadurch würde sich die verbesserte Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Nährstoffen sowie die damit verbundene Leistungserhöhung der Nervenzellen erklären.

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